Als "gründlich und tiefgreifend" lobt Rezensent Martin Seils die Erschließung von Johann Georg Hamanns Kant-Schriften, die der Tübinger Theologe Oswald Bayer nach jahrzehntelanger Arbeit nun vorgelegt hat. Hamann, ein Zeit- und Ortsgenosse des Königsberger Philosophie-Giganten, hatte in seiner "Metakritik" der Kantschen Werke dessen These widersprochen, die "reine" Vernunft könne als solche das Material der Anschauung zu evidenten Gesetzmäßigkeiten verknüpfen, und dagegen betont, dass die Vernunft immer auf die Sprache angewiesen und an sie gebunden sei. Wie Seils ausführt, hat Bayer nicht nur den Wortlaut von Hamanns Texten philologisch sichergestellt, wobei er nicht nur zwei Entwurfstexte Hamanns zur "Metakritik" heranzog, sondern auch die Menge der Anspielungen fast vollständig entschlüsselt hat. Zudem lege Bayer dar, wie ausgreifend sich Hamann auf den Wortlaut von Kants "Kritik" und "Prolegomena" eingelassen hatte, und wie eng sein in den Kant-Schriften vorgetragener Sprachgedanke mit Hamanns Gesamtdenken verbunden war. Insgesamt kann Bayer nach Ansicht Seils zeigen, dass Hamanns Auseinandersetzung mit Immanuel Kant "bis heute bedeutungsvoll" ist.