Rezensent Jens Bisky erinnert an die Schriftstellerin Susanne Kerckhoff, deren Werk es wert ist, endlich vollständig und sachkundig kommentiert herausgegeben zu werden, wie Bisky findet. Die vorliegenden erstmals 1948 erschienenen Berliner Briefe, die fiktive Korrespondenz zwischen einer jungen Frau aus Berlin und ihrem Jugendfreund in Paris, liest Bisky als autobiografisch grundierte, subjektive Sicht auf Nachkriegsdeutschland, auf Personen und Ereignisse allerdings, über die er gern mehr erfahren hätte. Dass die Neuauflage des Buches weder Leben und Werk der Autorin noch die Zeitumstände erläutert, kann der Rezensent nicht verstehen. Der Briefroman selbst überzeugt ihn durch einen aufklärerischen Impuls, durch Alltagsbeobachtungen und selbstkritische politisch-philosophische Gedanken im Wechsel.