Markus Bernauer legt hier ein Buch vor, an dem, glaubt Rezensent Michael Opitz, niemand vorbei kommt, der sich für das Erotische in der Literaturgeschichte interessiert. Konkret beschäftigt sich der Germanist mit Texten des deutschen Libertinismus des 19. Jahrhunderts, die in der Literaturwissenschaft lange als Schund abgetan und weitgehend ignoriert worden waren. Bernauer hingegen taucht tief ins Thema ein und argumentiert in seiner materialreichen Studie, dass pornografische Literatur damals nicht nur als Masturbationsvorlage diente, sondern auch Gesellschaftskritisches enthielt. Gut gefällt dem Rezensenten, dass Bernauer sich mit ganz unterschiedlichen Textformen, von Prosa und Lyrik bis hin zu Handzetteln beschäftigt; gleichzeitig wäre, so Opitz' Kritik, hier und da weniger Nacherzählung und dafür mehr Differenzierung angebracht gewesen, sowohl was die Terminologie betrifft, als auch mit Blick auf die Unterscheidung zwischen pornografischer und nicht-pornografischer Literatur. Dennoch fällt das Fazit positiv aus: Selbst Kenner der Materie werden hier viel dazulernen.