Das wohl stärkste Buch von Viktor Jerofejew hält Rezensentin Kerstin Holm hier in Händen. In einem überbordenden "Textkaleidoskop" mit Elementen aus Essay, Liebesroman, "Horror-Burleske" und allegorischem Drama widmet sich Jerofejew dem Thema der "russischen Schuld". Diese tritt bei ihm als eine junge attraktive Frau auf, Ruwi: Sie feiert Sex-Orgien im Club "Folterkultur", lässt Alexej Nawalnyj und Wladlen Tatarski auferstehen und hält eine "dämonische" Debattierrunde, für Holm die Schlüsselszene des Romans, in der Jerofejew Theoretiker der deutschen Schuld wie Karl Jaspers und Hannah Arendt heranzieht: In einer Geisterrunde, in der auch Putin und Alexander Dugin anwesend sind, diskutieren sie über historische Schuldfähigkeit, zu deren Anerkennung Russen aufgrund ihrer "faschistoiden Grundhaltung" nicht in der Lage sind, wie Jerofejews Autor-ich im Text erkärt. Die "literarische Biografie" Ruwis ist geprägt von Folter, Repression, Krieg - all das erträgt sie, "als gäbe es sie gar nicht", so Holm, am Ende versucht sie sogar das Russische in sich zu töten, Jerofejew spricht von "Autogenozid". Die Kritikerin ist schwer beeindruckt von diesem Monumentalwerk, in dem der Autor letztendlich das Abstürzen Russlands, aber auch des Westens, in eine "neue Barbarei" festhalten will.