Rezensent Lorenz Füsselberger hat nicht den Eindruck, dass Edouard Louis in diesem Buch viel Neues zu sagen hat. Ein weiteres Mal widmet sich der Autor einem Mitglied seiner Familie, nämlich seinem älteren Bruder, der hier, lesen wir, keinen Namen trägt. Wieder erklärt Louis das Leben seiner Verwandten vor allem als eine Geschichte sozialer Determination - es sind die gesellschaftlichen Umstände, die den Bruder zu dem brutalen, hassenswerten Menschen machen, als den der Autor ihn beschreibt, individuelle Entscheidungsfreiheit spielt hingegen keine Rolle. Füsselberger geht auf einige Aspekte dieses von Louis geschilderten Lebenswegs näher ein und kritisiert anschließend, dass Louis nicht genau genug argumentiert, etwa wenn es um den Zusammenhang von Männlichkeit, psychischer Krankheit und sozialer Klasse geht. Vieles wird hier nur angerissen und gleich wieder fallen gelassen, ärgert sich der Rezensent, auch die immer wieder auftauchenden Zitate von Freud, Didion und anderen stehen unverbunden in der Gegend herum. Das Ganze liest sich inzwischen wie eine wohlbekannte Masche, findet Füsselberger, der hofft, dass Louis bald einen anderen Dreh findet für sein Schreiben.