Tove Ditlevsen war ein komplizierter Mensch, lernt Rezensent Peter Urban-Halle, der jetzt alle Bücher ihrer autobiografischen Trilogie gelesen hat. Nach "Kindheit", in dem sie ihr Aufwachsen im rauen, fantasielosen Kopenhagener Arbeitermilieu beschrieb, erzählt sie jetzt in "Jugend" und "Abhängigkeit" von ihrem Weg zur Schriftstellerin, ihren vier Ehen und ihrer Medikamentenabhängigkeit, erfahren wir. Ditlevsen war keine rundum sympathische Person: Sie musste mit 14 von der Schule abgehen, heiratete ihren ersten Mann mit 18, weil er "ihr nützte" bei der Veröffentlichung erster Gedichte, so der Kritiker. Der dritte, ein Arzt, spritzte ihr bei einer Abtreibung das Schmerzmittel Pethidin, von dem sie abhängig wurde. Sie konnte ungewöhnlich passiv sein, so der Rezensent, gleichzeitig genau beobachtend und mutig. Und sie schrieb um ihr Leben: Die Literatur, auch das lernt Urban-Halle, war "ihr Rettungsring".