Alex Schulmans "Vergiss mich" überzeugt den Rezensenten Christoph Schröder zwar weder durch erzählerische Originalität, noch durch dramaturgische Raffinesse. Und wäre es ein Roman, würde Schröder diesem wohl auch eine Tendenz zur Sentimentalität diagnostizieren, vor allem gegen Ende. Doch Schulmans rein autobiografischer Text ist und will etwas anderes, erkennt der Rezensent und legt daher andere Maßstäbe an. "Geradlinig", unkompliziert und aufrichtig erzählt der Autor hier von dem Verhältnis zu seiner alkoholkranken Mutter und den Mustern in diesem Verhältnis, welche die Beteiligten bis weit ins Erwachsenenalter Schulmans immer wieder reproduzieren. Indem er seinen Schilderungen von Situationen der Gegenwart oder jüngsten Vergangenheit jeweils Erinnerungen aus seiner Kindheit und Jugend gegenüberstellt, macht er diese Muster und ihre Auswirkungen auf das Kind, den Teenager, den erwachsenen Menschen sichtbar, lesen wir. Hier geht es also weniger darum, eine gute Geschichte zu erzählen, als darum, das Bild eines Abhängigkeitsverhältnisses zu zeichnen. Und dies gelingt dem Autor, so Schröder. Am Ende ist man davon nicht nur "mitgenommen", sondern "angerührt."