Rezensentin Christiane Lutz feiert die Wiederentdeckung von Herbert Clyde Lewis' Roman "Gentleman über Bord" von 1937. Einen wahren "Schatz" hat der Mare-Verlag mit diesem Buch gehoben, das erstmals in deutscher Übersetzung erschienen ist, freut sich die Kritikerin. Der Roman erzählt einen Tag auf See: Der Börsenbroker Henry Preston Standish ist von Bord seines Schiffes gestürzt, ein Unfall, und treibt nun auf offener See, berichtet die Rezensentin. Parallel schildert Lewis die Schiffscrew, die über die Gründe für Prestons Verschwinden rätselt. Der Autor erzählt tragikomisch, aber nicht spöttisch, so hebt die Kritikerin hervor, wie der Protagonist sich allmählich seiner eigenen Ohnmacht inmitten des riesigen Meeres bewusst wird und von der Zuversicht, gerettet zu werden, in Resignation, dann in Todesangst verfällt. Es lässt die Kritikerin an Samuel Beckett denken, wie der Roman in lakonischer Weise an existenzielle Ängste rührt und den menschlichen Irrglauben, die Dinge unter Kontrolle zu haben, ironisiert. Tragisch findet Lutz nur, dass sich zu Lebzeiten niemand besonders für Lewis' Romane interessierte, aber umso schöner, dass man einen davon nun wieder liest.