Endlich gibt es eine neue, gelungene deutsche Übersetzung von Virgina Woolfs Gesellschaftsroman "Mrs. Dalloway", freut sich Rezensent Wolfgang Schneider. Die Handlung, die an einem Tag spiele, nimmt bruchstückartig Verschiedenes in den Blick, von ersten, auch homosexuellen, Liebeserfahrungen über soldatische PTBS-Krisen bis zu den Nachwehen der Spanischen Grippe, lesen wir. Diese Blicke ins Innerste der verschiedenen Figuren haben für den Rezensenten einen ganz besonderen Reiz. Oft sei Woolf mit James Joyce und seinem "Ulysses" verglichen worden, den sie - wie anekdotisch berichtet wird - verachtet habe. Auch Schneider nimmt einen kurzen Vergleich vor und kommt zu dem Schluss, dass das Joyce'sche Epos zwar deutlich experimenteller ist, aber Woolf den Bewusstseinstrom ihrer Figuren mit ihrer rhythmischen Form und Sprache perfekt ergänze. Schneider widmet sich zudem mit eingängigen Beispielen der Schwierigkeit des Übersetzens: Melanie Walz' Arbeit scheint ihm hier im Kontrast zu einigen vorgehenden Übertragungen besonders akkurat und minutiös, besonders lobenswert. "Beinahe so schön wie im Original", ist er sich sicher.