- Heyn, Johannes
- 2025
- Taschenbuch
- 32 Seiten
- ISBN 9783708407142
„Beinah täglich, scheint es, verschieben sich Grenzen. Grenzen des Sagbaren, Grenzen des Machbaren. Beinah täglich bauen wir menschlich ab, senken wir unsere ethischen Standards, gewöhnen wir uns an neues Leid. Heute ist der 25. Juni und ich fürchte mich davor, einen Text vom 12. Mai vorzutragen und zu sehen, wo wir uns seitdem hin entwickelt haben.“
Mit der Rede „Drei Tage im Mai“ eröffnete die Gewinnerin des Ingeborg-Bachmann-Preises 2021 am 25. Juni 2025 die 49. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt („Und ich sage, dass ich mir wünschte, ich könnte diese Rede tanzen, so wie der Cousin in der Erzählung tanzt, um endlich sprechen zu können“).
„In diesen Momenten fühlt es sich an, als wäre nicht vorrangig Schreiben mein Job, sondern vor allem, mich weiterhin der Welt auszusetzen, durchlässig, empfindsam und verwundbar zu bleiben und dann zum Ausdruck zu bringen, was das mit mir macht. Mit mir und meinen fiktiven Charakteren.“ Ein dicht getakteter Road-Trip, in dem es um das der Welt Ausgesetztsein geht, um Auseinandersetzung mit der Gegenwart und Konsequenzen für das literarische Schreiben, um den Sog apokalyptischer Erzählungen sowie um Möglichkeiten, ihm seine Kraft zu nehmen und der vermeintlichen Alternativ- und Sprachlosigkeit etwas entgegenzusetzen. „Dann erfordert es unsere ganze Vorstellungskraft, mit anderen, besseren Geschichten die Lücke zu füllen. Geschichten von Verbundenheit und Verantwortung. Geschichten von Zugehörigkeit und Zusammenhalt, die einen viel stärkeren Sog ausüben können.“ „Ich überwinde nicht nur mit jedem Text mich selbst, ich versuche auch immer wieder zu überwinden, was gemeinhin als Realität hingenommen wird.“
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