Mit "Seltsame Sally Diamond" ist der irischen Schriftstellerin Liz Nugent ein packender Psychothriller gelungen, der das Schicksal schwer traumatisierter Menschen empathisch vor Augen führt, urteilt Rezensent Tobias Gohlis. Die titelgebende Sally Diamond ist, von einem Kidnapper gezeugt und in dunkler Isolation aufgewachsen, nach dem Tod ihres späteren Adoptivvaters mit 42 Jahren zum ersten Mal auf sich gestellt. Äußerst überzeugend, findet Gohlis, stellt Nugents Buch die Frage, ob und wie ein Mensch nach solcher Gewalteinwirkung ein eigenes Leben (wieder)finden und gestalten kann. Dabei werde die Nähe zum Erleben der Hauptfigur dadurch garantiert, dass die "seltsame" Sally die Ich-Erzählerin des Romans ist. Im zweiten Teil des Textes wird Sallys Stimme schließlich durch die ihres unbekannten älteren Bruders, der, vom selben Erzeuger nach Neuseeland entführt, ein ähnlich grausames Kindheitsschicksal hatte, ersetzt - eine "Verdopplung" der entsetzlichen Geschichte, so Gohlis, der diesen Roman nur empfehlen kann.