Rezensent Rainer Moritz zollt Julja Linhof Anerkennung dafür, einen Heimkehr-Roman geschrieben zu haben, der aus der langen Reihe dieses aktuell boomenden Genres heraussticht. Denn in Linhofs Roman ist es einmal kein sentimental gestimmter Mann mittleren Alters, der in seine Kindheit zurückreist, sondern der 19-jährige Jirka, der darauf eigentlich keine Lust hat: Fünf Jahre lang hatte er in einem Internat den Kontakt zur Heimat, einem Bauernhof in Westfalen, gezielt vermieden. Wie die Autorin von der dementsprechend wenig herzlichen Wiederaufnahme erzählt, von den veränderten Bedingungen auf dem Bauernhof, den die Jirkas Schwester im Alleingang (die Mutter ist tot, der Vater abwesend und die Großmutter dement) am Laufen zu halten versucht, findet Moritz eindrücklich. Einen klassischen Plot gebe es nicht, vielmehr komme in stetigen Tempuswechseln langsam Jirkas schwere Vergangenheit an die Oberfläche: die Misshandlung durch den Vater, die ersten homoerotischen Annäherungsversuche mit einem Saisonarbeiter. Für den Kritiker bis auf ein paar sprachliche und stilistische Ausrutscher ein "eigensinniges" und gelungenes Romandebüt.