"Eine literarische Fingerübung" nennt Rezensentin Dina Netz den frühen Roman von Bernardine Evaristo, und zwar eine leider ziemlich missglückte. Über Evaristes Absichten in diesem Text, der sich Roman nennt, aber eher Prosagedicht ist, kann Netz nur mutmaßen: Aus ihrem engagierten Anliegen macht die Autorin kein Geheimnis, nein, eher im Gegenteil: Ihre Protagonistin und Ich-Erzählerin ist arm, schwarz, weiblich und wird als 11-Jährige von ihrem Vater an einen römischen Patrizier verheiratet - ja, Patrizier, denn diese Geschichte spielt im 3. Jhd. n. Chr. im römisch besetzten London. Es geht Evaristo also offensichtlich um die mehrfache Benachteiligung einer Frau, die Verweise ins Heute sind überdeutlich. Aber was soll dieses seltsame Mischmasch aus Latein und moderner Umgangssprache, fragts sich die Kritikerin. Witzig oder gegenwärtig wirkt es jedenfalls nicht, meint sie. Und bei manch pornografisch anmutender Passage fragt sich Netz, ob Ironie dahinter steckt. Ein sicherlich engagierter Roman, der aber zu konstruiert und inkonsistent bleibt, schließt die enttäuschte Rezensentin.