Andreas Platthaus begrüßt freudig die Neuübersetzung von Italo Calvinos "Die unsichtbaren Städte", weil er sich dadurch frische Leser für ein von ihm geschätztes Werk erhofft. Bei seinen punktuellen Vergleichen der älteren Übersetzung von Heinz Riedt mit der neuen von Burkhart Kroeber allerdings kommt er zu dem Schluss, dass beide Übersetzungen ihre Vorteile haben und im Übrigen auch gar nicht so sehr voneinander abweichen. In den 55 Textminiaturen, die in der alten Ausgabe noch Roman genannt wurden - eine Gattungsbezeichnung die nun laut Rezensent zu Recht gestrichen worden ist - berichtet Marco Polo im 13. Jahrhundert dem Herrscher der Tartaren, Kublai Khan, von seinen Reiseeindrücken im chinesischen Reich, fasst der Rezensent zusammen. Schade findet er, dass das durchaus erhellende Nachwort von Heinz Riedt in der Neuausgabe ersatzlos gestrichen wurde, denn "Die unsichtbaren Städte" sind nicht gerade leichte Kost, wie er warnt. Gleichzeitig aber zeigt sich Platthaus entzückt vom "orientalisch-verführerischen Ton", der sich bei Calvino mit präzisen Beobachtungen mischt, und er ist auch nach mehr als 30 Jahren, so lange liegt die erste Veröffentlichung zurück, von der symphonischen Sprachwirkung und dem allegorischen Tiefgang des Buches, das zugleich als philosophischer und poetologischer Text zu verstehen ist, in den Bann gezogen.