Ein starkes Buch über politische Verbrechen und deren oft mangelhafte Verfolgung hat Philippe Sands laut Rezensent Hendrik Simon verfasst. Im Zentrum stehen einerseits der Prozess gegen den chilenischen Ex-Diktator Pinochet im London der 1990er, der mit einer Auslieferung Pinochets an Chile endete, wo er einen freien, reuelosen Lebensabend verbringen konnte; und andererseits Recherchen Sands über den Ex-SS-Offizier Walther Rauff, der möglicherweise in den 1970ern Pinochet bei dessen Verbrechen gegen Oppositionelle geholfen hatte. Simon zeichnet nach, wie Sands, seines Zeichens Anwalt, auf Seiten der Anklage im Pinochet-Prozess aktiv war, tatsächlich erfährt man in diesem detailreichen Buch voller akribischer Beschreibungen viel über die Eigenheiten nationaler wie internationaler Rechtssprechung, versichert der Kritiker. Nicht zum ersten Mal widmet sich hier ein Buch dem Pinochet-Rauff-Komplex, weiß Simon, der gleichwohl fasziniert davon ist, was Sands alles aus dem Thema heraus holt, unter anderem geht es auch um BND-Kontakte Rauffs. Ein starkes Stück Rechercheliteratur legt Sands hier vor, schließt Simon, ein Buch, das zeige, wie wichtig der Kampf um Gerechtigkeit ist und bleibt.