Der merklich begeisterte Rezensent Tobias Rüther widmet dem neuen Roman von Lena Schätte eine ausführliche, zugewandte Besprechung: In der Geschichte einer Familie, in der eigentlich alle, allen voran der Vater, saufen, macht er Sätze wie "Blaulichter" aus, die die volle Komplexität der Sucht abbilden. "Mein Bruder kippt den Schnaps ins Grab", ist einer dieser Sätze, den Rüther zitiert, denn der Vater von "Motte", wie er die Erzählerin nennt, überlebt die Sucht nicht. Der Spitzname sei auch deshalb so passend, weil sie auch nach dem Tod noch um ihn kreise und ihr Leben von diesem Trauma bestimmt sei. Wir erfahren, dass die Geschichte im Sauerland der Neunziger spielt, nach langer Fabrikarbeit übernimmt die Familie dort eine Raststätte, bei der die Kunden aber irgendwann ausblieben. Für den Kritiker sind diese Orte "Chiffren der Heimatlosigkeit", die auch dafür sorgen, dass dieser gelungene Roman sich perfekt einordne in eine ganze Reihe von derzeit erscheinenden Geschichten über ungewöhnliche, kaputte Familien.