Noch präziser als den Roman "Die blaue Frau", für den Antje Ravic Strubel den Deutschen Buchpreis erhielt, findet Rezensent Paul Jandl den neuen Roman, der ebenfalls die #MeToo-Thematik aufgreift. Erzählt wird die Geschichte von Hella Karl, Feuilletonchefin einer Berliner Zeitung, die in eine unaufhaltsame Abwärtsspirale gerät, nachdem sich der berühmte Theaterintendant Kai Hochwerth in Folge eines Artikels von Hella das Leben nimmt. Erlag Hella zunächst noch dem Charme jenes Intendanten, dessen hygienische Nachlässigkeit Strubel als Ausdruck seiner "künstlerischen Lässigkeit" zeichnet, wendet sich die Anziehung in Hass, nicht nur als Hochwerth Hella bedrängt, sondern auch, als Gerüchte auftauchen, er habe eine Schauspielerin aus Karrieregründen zur Abtreibung gedrängt, resümiert Jandl. Allein wie nahe uns Strubel an die weibliche Hauptfigur führt, verschlägt dem Kritiker den Atem. Vor allem aber bewundert er, wie die Autorin mitunter satirisch und in geradezu "altmeisterlicher Sprache" neben dem Journalisten-Milieu auch die "Zwischenräume der Selbstbilder" ihrer Figuren auslotet. Für den Kritiker ist das nicht weniger als ein "illusionsloses Zauberkunstwerk" von einem Roman.