Für Roman Bucheli ist der Skandal, der um Christian Krachts jüngsten Roman entstand, ein Sturm im Wasserglas und er macht sich Sorgen um den Stand der Literaturkritik. Georg Diez hatte den Autor einen "Türsteher" "rechten Gedankenguts" genannt, Kritiker und Schriftstellerkollegen waren Kracht zur Seite gesprungen und Diez hatte seine Kritik flugs zurückgezogen, wie der Rezensent referiert. Dabei findet Bucheli es durchaus angebracht, Fragen zu stellen, nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem 2004 veröffentlichten Schriftwechsel Krachts mit dem "politischen Wirrkopf" David Woodhard, in dem die beiden sich Gedanken um eine Wiederbelebung der deutschen Kolonie "Nueva Germania" in Paraguay machen und über ihre "spleenige Vorliebe" für koreanische Diktatoren austauschen. Der Rezensent meint, es sei legitim, den vorliegenden Roman auch im Kontext mit dem Briefwechsel zu lesen und nach der zugrunde liegenden "Geisteshaltung" zu fragen. In "Imperium" erzählt Kracht in durchaus unterhaltsamen Episoden die Geschichte des Aussteigers August Engelhardt, der in der Südsee eine Kolonie gründet, die Nacktheit, Naturnähe und die Kokosnuss als ausschließliche Nahrung predigt, erfahren wir. Dabei gelinge es ihm, in dieser Figur die Schrecken und Verirrungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu bündeln, lobt der Rezensent sogar. Allerdings findet er, dass das forciert Selbstironische und Spielerische im Gegenzug keinen "ästhetischen Mehrwert", geschweige denn einen intellektuellen böte.