Ein großes Werk norwegischer Erzählkunst liest Rezensent Stephan Opitz in der hier vorliegenden Neuübersetzung. Sigrid Undset erzählt in dem vierteiligen Epos vom titelgebenden Olav Audunssohn und Ingunn Seinfinnstochter, der Olav als Kind versprochen wird, die er aber erst viel später heiraten kann, nachdem er selbst in den Krieg ziehen musste und sie das Kind eines Anderen gebar. Eines Anderen, der dann von Olav erschlagen wird. In lakonischen Wendungen dieser Art schlägt, erklärt uns Opitz, eine skandinavische Erzähltradition durch, die vor allem mit den Isländersagas zu tun hat. Die reduzierte Lakonie dieser Sagas wird von Undset mit immenser psychologischer Komplexität, Landschaftsbeschreibungen und mehr angereichert. Nicht zuletzt geht es der selbst zum Katholizismus konvertierten Undset auch um eine Beschreibung der Christianisierung ihres Heimatlandes im Hochmittelalter, der Ära, in der das Buch spielt. Alles in allem ist das schlicht große Literatur, jubelt Opitz, und die Neuübersetzung von Gabriele Haefs ist ebenfalls von allerhöchster Qualität.