Rezensent Bernhard Fetz zeigt recht angetan von Elias Canettis Gedanken über Tiere, die Brigitte Kronauer in einem "schön gestaltete Bändchen" zusammengestellt und mit einem "gelungenen" Nachwort versehen hat. Das "Denken in Tieren" ist eines der zentralen Themen Canettis, erklärt Fetz: Nur wenn es dem Denken gelinge, hinter die Begriffe zurückzugehen, mit denen die Welt zurechtgemacht wird, sei die Erfahrung von Fremdheit möglich, referiert Fetz Canettis Gedanken. Dabei gehe es Canetti nicht um Identifikation, sondern um das nicht überbrückbar Fremde an den Tieren, was sie so wichtig für uns mache. Canettis Sympathie für Tiere rührt dem Rezensenten zufolge von einem Besuch in einem Schlachthaus in der Kindheit her, den Canetti in seiner Autobiografie als prägende Urszene beschrieben hat. So findet Fetz als "Rache des Dichters" für die Tiere immer wieder Szenen, in denen Canetti den Spieß umdreht, und Tiere auf ihren Jäger schießen lässt oder Menschen von Hunden an der Leine geführt werden. Dem Einwand, das Werk eines berühmten Autors nach Themen und Motiven auszubeuten, sei billig, hält der Rezensent entgegen, dass die vorliegende Sammlung die Möglichkeit bietet, "anhand eines zentralen Motivs die wichtigsten Themen Canettis im Vorbeigehen zu streifen". Fazit des Rezensenten: empfehlenswert für Canetti-Kenner wie auch für Canetti-Novizen.