Man kann sich schon fragen, beginnt Mara Delius ihre Kritik, wie das gut gehen soll: David Rieff, einziger Sohn Susan Sontags, schreibt über das Sterben seiner Mutter. Es geht aber gut, und zwar, wenn man dieser Kritik glauben darf, auf äußerst überzeugende Weise. Das hat freilich, so Delius, auch damit zu tun, dass Rieff in Wahrheit nicht über das Sterben, sondern über das fanatische Festhalten am Leben seiner Mutter schreibt. Auf diese Weise entstehe das Psychogramm einer Erfahrungs- und Lebenssüchtigen, die als einziges auf der Welt den eigenen Tod nicht wahrhaben will und wohl auch nicht kann. Sehr angenehm sei es, dass Rieff keine Versuche unternimmt, eine psychologische Innenansicht der letzten Lebensmonate Sontags zu gewinnen. Der Respekt, aus dem heraus der Sohn die "Schwäche" seiner Mutter eher "ver"- als "enthüllt", gehört für die Rezensentin zu den überzeugendsten Zügen dieses Buchs.