Ein Fall von unerwiderter Liebe? Elias Canetti, schreibt Susanne Mayer, schwärmte für England und seine Literatur wie für nichts anderes, und als er dort im Exil war, ab 1938, da suchte er nach der Einlösung dieser Liebe, wollte finden, was er vergötterte. Er fand: eine Idylle aus Landschaft und Hochkultur, er fand auch "vollendete Höflichkeit", aber er suchte vergeblich nach dem, wonach es ihm verlangte, der Überwindung der Distanz - eine Niederlage, die sich Mayer zufolge in seinen Erinnerungen an die Exiljahre niederschlug, in den Skizzen und "böse infamen Karikaturen", die er von den Engländern anfertigte, am bösesten die von seiner Ex-Geliebten Iris Murdoch. "Canetti", schreibt Mayer, "seziert mit scharfem Besteck das Menuett britischer Geselligkeit", an dem er abprallte, und "er beschreibt - und dafür lohnt sich die Lektüre - das stoische Leben unter der Bombendrohung nicht ohne Komik". Komisch, aber doch ohne die Souveränität seiner englischen Figuren, auf denen er rumhackt und dabei, so die Rezensentin, die Aufmerksamkeit vor allem auf sich selbst lenkt: auf das enttäuschte "Prinzchen im Autor".