Andreas Brenner bespricht gleich zwei Bücher, die sich nach diesem "heißen Sommer der wissenschaftlichen Genetik" dem Thema über den Begriff der Menschenwürde zu nähern versuchen.
1) Knoepfler/Haniel: "Menschenwürde und medizinethische Konfliktfälle"
Es ist genau ein Aufsatz, der den Rezensenten in diesem Buch zu interessieren scheint - über die anderen verliert er jedenfalls kein Wort. Erstaunt ist er, dass ausgerechnet der Theologe Reiner Anselm "empirisch deskriptiv" argumentiert. Menschenwürde sieht er als "regulatives Prinzip", wünscht jedoch die Anwendung des Begriffs auf Menschen mit der "Fähigkeit zu Selbstbewusstsein, Kommunikation und Selbstreflexion" einzuschränken, referiert Brenner.
2) Kathrin Braun: "Menschenwürde und Biomedizin"
Katharina Brauns Untersuchung ist, so der Rezensent, recht ambitioniert. Sie versuche, Foucault, Kant und feministische Theorie gegen die "Kurzschlüssigkeit" des bioethsichen Diskurses in Stellung zu bringen. Dabei argumentiert sie erfolgreich, findet der Rezensent, gegen den Utilitarismus und gegen Theoretiker, die, wie Peter Singer, auf eine Differenz von Mensch und Person Wert legen - und damit das Fundament für "Bionormen" legen. Ausgehend von solchen Normen werde dann "Ethik zur Machtfrage". Der Entscheidungszwang gehe nicht etwa vom Gesetz aus, sondern komme als philosophische Frage daher, die, so referiert der Rezensent, nicht nur den einzelnen überfordert, sondern immer schon eine "Definition des "Normalen" impliziert. Braun stellt dagegen Kants Unterscheidung, der die Würde des Individuums aus der "Teilhabe an der Menschheit" ableitet. Mit der feministischen Erweiterung von Hannah Arendts Verweis auf das schiere Faktum der "Natalität" zum "von einer Frau geboren"-Sein ist der Rezensent dann nicht zufrieden: auch aus einem künstlichen Uterus Geborenen wird man die Menschwürde nicht absprechen können.