Neue Informationen enthält die aktuelle Clara Schumann Biografie kaum, und dass sie noch wiederentdeckt werden muss als herausragende Pianistin und Komponistin, bezweifelt Rezensent Konstantin Sakkas ebenfalls. Nun kann man Christine Eichels Biografie als das ungeschönte Porträt einer durch die Umstände verhärteten Proto-Feministin, als die Geschichte einer Emanzipation qua Leidenschaft für die Kunst betrachten, und so hat die Musikwissenschaftlerin Eichel das Leben Clara Schumanns wohl auch lesen und erzählen wollen, vermutet Sakkas. In dieser Lesart Schumans als Einzelkämpferin, die sich gerade, weil sie (vermeintlich) befreit war von aller Ideologie, emanzipieren und durchsetzen konnte, erkennt Sakkas allerdings Spuren von Eichels eigener "liberal-humanistischer Leistungsethik", die auch ihre Interpretation von Schumans offensichtlicher Härte gegenüber ihren Mitmenschen bestimmt. Dazu gehört das "ungerechtfertigte" Wegsperren ihres Sohnes in eine Nervenheilanstalt, und auch die Nähe zur "kalten Antisemitin" Cosima Wagner nimmt der Kritiker ihr übel. Dass die Autorin diese Härte in keiner Weise schönt oder verschweigt, sie sogar hervorhebt, ist das große Verdienst der Biografin, findet Sakkas, so ermöglicht sie dem Rezensenten, "Clara" anders zu lesen, mit Gewinn: als ein entheroisierendes Psychogramm einer Frau, die "hart sein musste, aber es auch wollte"!