Christoph Bartmann nimmt sich den ersten Roman des Zeit-Kolumnisten Harald Martenstein vor und entdeckt hinter der vermeintlichen Einfachheit und Arglosigkeit eines kindlichen Ich-Erzählers ein ziemlich kompliziertes Gebilde. Der Ich-Erzähler, aus dem man trotz der behaupteten Naivität die Stimme des Autors heraushört, erzählt die Liebesgeschichte der Großeltern. Selbst wenn Martenstein damit auf der Welle der zur Zeit modernen Familienromane mitschwimmt, verweigert er sich dem darin gern geübten Realismus, stellt der Rezensent anerkennend fest. Nicht nur, dass er keine lineare, chronologische Geschichte bietet, hebt ihn vom Genre ab, sondern eben auch der Erzähltrick, das Erzählen einem Kind zu überlassen, so Bartmann. Trotzdem hat er manchmal wohl den Eindruck, dass das Buch überkonstruiert ist, denn er fragt sich an einer Stelle, ob Martenstein vielleicht zu genau wisse, was er tue. Wenn der Autor aber Poesie und Surreales einfließen lässt, dann festigt sich das "Vertrauen", im Kolumnisten doch auch den Romanautor gelten zu lassen, so Bartmann etwas verhalten.