Ihre Enttäuschung kann Sonja Hartl angesichts dieses "typischen Nele-Neuhaus-Krimi" kaum verbergen. Es geht um ein sehr brisantes politisches Thema: Ein Asylflüchtling soll eine 16-jährige umgebracht haben, verschwindet daraufhin aber spurlos - die Ermittler bekommen es mit einer größeren Verschwörung zu tun, resümiert die Rezensentin. Daraufhin entspinnt sich ein Krimi, dessen Handlung der Kritikein wie "Erzählen im Sicherheitsmodus" erscheint: Wendungen sind vorhersehbar, die Handlung wird immer wieder zusammengefasst, damit der Leser ja nichts verpasst, moniert Hartl. Die Überlastung des Justizwesens wird angesprochen, doch Neuhaus personalisiert die angesprochenen Probleme eher als ein systemisches Problem zu erkennen - was bei der hessischen Justiz und Polizei angemessen wäre, meint die Kritikerin. Dass sie zudem Falschbehauptungen aufstellt, macht es für die Rezensentin nicht besser: Eine vertane Chance, seufzt Hartl.