Teils interessiert, teils skeptisch liest Rezensent Stephan Klemm dieses Buch, in dem Boris Becker gemeinsam mit dem Schriftsteller Tom Fordyce seine Lebensgeschichte erzählt, insbesondere hinsichtlich seiner Haftzeit in britischen Gefängnissen nach einer Verurteilung wegen diverser Steuerdelikte. Wir lesen also, beschreibt Klemm, wie Becker zunächst in der Haftanstalt Wandsworth, später im Gefängnis Huntercombe ganz unten anfängt, unter nicht so guten hygienischen Bedingungen lebt, bevor er sich jeweils langsam nach oben arbeitet, in Huntercombe dank eines Wärters sogar die Philosophie der Stoiker kennenlernt und bald selbst zum passionierten Stoiker wird. Ob man das Becker alles abnehmen kann? Klemm ist sich da nicht so sicher, und das betrifft auch Passagen, in denen Becker über seinen Weg ins Gefängnis Auskunft gibt, er beschuldigt verschiedene Personen, an seinem Schicksal Schuld zu tragen, dass sein eigener mondäner Lebenswandel etwas damit zu tun haben könnte, davon ist in dem Buch eher nicht die Rede. Weiterhin geht es natürlich um Tennis, schließlich ist Wandsworth nur ein paar Kilometer von Wimbledon entfernt, wichtige Figuren sind im Buch insbesondere Beckers Kollegen Andre Agassi und Michael Stich. Klemm glaubt nicht unbedingt, hier die Memoiren eines Geläuterten gelesen zu haben, erfahren wir am Ende.