Für Rezensentin Elke Schmitter sind Verena Luekens Porträts "Alter Frauen" eine echte "Welterweiterung" und damit ein großer intellektueller Genuss. Dass Frauen mit dem Alter im Gegensatz zu Männern eher unsichtbarer werden, ist so selbstverständlich, dass sich Verena Lueken nicht lange mit diesem Umstand und seiner theoretischen Einordnung aufhalten will. Genau wie ihre Gesprächspartnerinnen konzentriert sie sich stattdessen lieber auf deren Arbeit - die Regiearbeiten etwa einer Jeanine Meerapfel, die Kunst von Carmen Herrera und Isabella Ducrot oder die Texte von Jane Campbell. Alle Karrieren, von denen Lueken erzählt, sind lang und aufhaltsam. Statt sich aber selbst zusätzlich mit Gram aufzuhalten, statt die männliche Ignoranz zur "Grunderfahrung ihres Lebens" zu machen, emanzipieren diese Frauen sich lieber davon, indem sie leben, arbeiten, erzählen. Frei von Pathos, Betroffenheit und Nostalgie, nüchtern und dennoch humorvoll schreibt die Autorin über alte Frauen, die praktizieren, immer noch und mit Freude. Die Fragen, die sich dabei immer wieder stellen, werden oft nur knapp angeschnitten, sitzen dadurch aber umso tiefer, so die Rezensentin.