Rezensentin Petra Pluwatsch freut sich über ein gelungenes Romandebüt von Charlotte Brandi, die bislang als Musikerin auf sich aufmerksam gemacht hat: Im Zentrum steht die 16-jährige Ella, die ihre Wut auf die wohlstandsverwahrloste Familie normalerweise mit Laufen aus sich herausschwitzt, nach einer Beinverletzung aber dazu übergegangen ist, einfach auszurasten. Plötzlich verschwindet ihr jüngerer Bruder Luis und alle sorgsam zugeklebten familiären Abgründe brechen auf: Die Kindheit, berichtet Pluwatsch, haben die Geschwister zwischen Eltern verbracht, die dauerhaft im Drogenrausch waren und ihre Kinder mit "tellergroßen Augen und zitternden Händen" mehr schlecht als recht versorgt haben. Die Suche Ellas nach ihrem Bruder führt sie ins Dortmunder Drogenmilieu und zu sich selbst und schafft damit eine beeindruckende Geschichte über das Erwachsenwerden. Für die Kritikerin ist das Buch "so schnoddrig-schräg und lebensklug", dass sie es kaum weglegen mag.