Rezensent David Hinzmann lernt von Christian Barons neuem Roman, dass der Versuch, AfD-Wahlergebnisse zu erklären, oftmals der Abwehrreflex eines linksliberalen Bürgertums ist, das mit dem Proletariat, für das es sich einzusetzen vorgibt, eigentlich kaum was zu tun haben will. Das merkt auch seine Protagonistin Mira, eine von drei Schwestern, die der Mutter des Autors nachempfunden ist. Sie will dem von Alkohol und Gewalt geprägten Herkunftsmilieu in Kaiserslautern entkommen, stößt aber in Westberlin auf laute pseudooffene WG-Mitbewohner, die sich lieber dem Hedonismus hingeben, so Hinzmann. Dass mittlerweile auch Baron eher zum Bildungsmilieu gehört, merkt der Kritiker seinen Anspielungen beispielsweise auf Tschechow an. Dennoch ist er froh, dass der Autor insgesamt nahe an der Lebensrealität der Arbeiter bleibt, ohne in den "Trauma-Porno" abzurutschen, wie er schließt.