Eberhard Rathgeb gibt eine kleine Einführung in die Werkgeschichte dieses Döblin-Romans, der noch vor "Berlin Alexanderplatz" entstanden ist: ein Mammutroman von über 1000 Seiten, der 1920 in zwei Bänden im S. Fischer Verlag erschienen war, voller Druck- und Flüchtigkeitsfehler. Walter Muschg betreute die Neuausgabe des Romans in den 60er Jahren, die rund 2000 Abweichungen enthielt, so Rathgeb. Der Herausgeber der historisch-kritischen Ausgabe Erwin Kobel ist nun die Handschrift nochmals durchgegangen und erläutert die von ihm entdeckten Abweichungen in zahlreichen Wort- und Sacherklärungen. Die philologische Arbeit hat gelohnt, schreibt Rathgeb. In den Roman, der mit den Antagonisten Wallenstein und Kaiser Ferdinand II. die religiös-politischen Verwicklungen des 30-jährigen Krieges vor Augen führt, sei Döblins Zeit als Militärarzt im Ersten Weltkrieg eingeflossen: eine leidenschaftliche, rhythmische Sprache peitsche die Wirklichkeit des Krieges, der Gewalt, des Schmerzes hervor. Der Idee des Romans geschuldet seien kleine historische Abweichungen, erläutert Rathgeb, so dass er den Lesern vor der Lektüre die Konsultation einer der Geschichten des 30jährigen Krieges empfiehlt (Golo Mann, Ricarda Huch oder Friedrich Schiller). Dennoch: diesen "Wallenstein" unbedingt lesen, meint er.