Nicht wirklich überzeugt ist Rezensent Andreas Kilb von diesem Buch und dessen zentralen Ansinnen, der "Wolfsschanze" einen wichtigeren Platz im Gedenken an den Nationalsozialismus zu verschaffen. Der Rückzugsort Hitlers bei Rastenburg in Ostpreußen, an dem der Diktator weite Teile der Kriegsjahre verbrachte, wird von Felix Bohr hier zunächst gemeinsam mit einer polnischen Historikerin als Tourist betreten. Kilb weist darauf hin, dass die Wolfsschanze gerade kein Kriegsschauplatz war, und tatsächlich verfängt sich viel von dem, was Bohr hier darstellt, in bekannten Allgemeinplätzen und Banalitäten über Hitlers Essgewohnheiten und Wutausbrüche. Es gelingt dem Autor durchaus ein anschauliches Bild von der Funktionsweise der Wolfsschanze in den Kriegsjahren zu zeichnen, erkennt der Kritikier an. Unter den Tisch fällt jedoch die politische Bedeutung der Anlage, schließlich konnte Hitler sich in der ostpreußischen Abgeschiedenheit auch von seiner eigenen Regierung separieren, so Kilb. Auch dass in der Wolfsschanze wichtige Entscheidungen bezüglich des Holocaust getroffen wurden, kann Bohr hier nicht überzeugend nachweisen, meint Kilb. Insgesamt plädiert der Rezensent nach der Lektüre dafür, dass sich das Gedenken auch in Zukunft auf Berlin und die Orte der nationalsozialistischen Menschenvernichtung konzentrieren soll. Die Wolfsschanze hingegen darf, wenn es nach Kilb geht, gerne weiter im Wald verrotten.