Eberhard Rathgeb kann Wilhelm Schmids "Mit sich selbst befreundet sein" ganz offenkundig nicht ernstnehmen. Schmids Handlungsanleitung für einen pfleglichen Umgang mit sich selbst referiert der Rezensent in einem mokanten Ton, der ebenso wenig Schärfe zeigt, wie man, Schmid zufolge, im Umgang mit dem eigenen Selbst an den Tag legen sollte. Im Mittelpunkt von Schmids Eigenbeziehungslehre steht, so der Rezensent, die Erfahrung der Schönheit, aufscheinend in den Kategorien des Beziehungsschönen, des Verhältnisschönen, des Erlebnisschönen, des Dingschönen, des Phantasieschönen, des Abstraktschönen und des Negativschönen "(er meint, 'unschöne Situationen' zu bewältigen kann eine 'bejahenswerte Erfahrung' sein)". Die schöne Beziehung zur eigenen schönen Seele kann, so Schmids These, nur in schönen Beziehungen zu anderen schönen Seelen münden. Rathgeb findet dafür den Begriff einer von resignativen Untertönen nicht freien "Ethik der Wellness", die maßgeschneidert sein mag für den gegenwärtigen Psychohaushalt unserer Republik und die ja vielleicht auch irgendwie sympathisch ist, da sie niemandem wehtun möchte. Aber was das alles eigentlich soll? Das darf man den Rezensenten nicht fragen.