Wie Ralf Rothmanns bisherige Romane auch, beschreibt "Junges Licht" eine "Ruhrgebietskindheit", erklärt Rezensent Jörg Magenau. Und nicht irgendeine Kindheit, sondern Rothmanns eigene sei es, an der er entlang schreibe, gewissermaßen stromaufwärts, denn seine Helden werden zunehmend jünger. Diese Geschichte, die aus der Sicht des zwölfjährigen Ich-Erzählers Julian Collien geschrieben ist, hat dem Rezensenten sehr gefallen. Julian sei wie alle Helden Rothmanns ein Beobachter, ein "Danebensteher", der versuche, den Geschehnissen aus dem Weg zu gehen. Wenn sie ihn dann doch einholen, so Magenau, wehrt er sich nicht, sondern erduldet sie als "schweigsamer Held des Ertragens". Besonders gelungen findet der Rezensent, wie Rothmann gleichsam "aus dem Innern der Vorstellungswelt des Kindes" schreibt, umso mehr als Julian vieles erspürt, ohne es wirklich zu verstehen. Dazu gehöre auch die "kaum begriffene Sexualität", die überall im Roman "vibriere". Lobend erwähnt der Rezensent ebenfalls, dass Rothmann die Armut der Bergarbeiter nicht verkitscht oder verklärt, dafür aber ein regelrechtes "Museum der Arbeitswelt" in seine Erzählung einflicht, das mit seinen Beschreibungen der Welt unter Tage und ihrer "tektonischer Spannungen" zum Echo des rissigen Familienlebens über Tage wird.