"Ein Sentenzenbuch", so sieht es Gustav Seibt, hat Martin Walser hier geschrieben: lauter Kalendersprüche - über Glück und Unglück, über Deutschland, über Sex, über alles mögliche - ganz ohne Roman drum herum. Seibt sieht hier die grundsätzliche Abneigung Walsers gegen große Zusammenhänge am Wirken, in denen sich das Einzelne zum System fügt, oder vielmehr gefügt wird, zu harten Meinungs-Briketts. Walser beharre dagegen trotzig auf dem "unverrechenbar Besonderen des Lebens", und zu diesem Zweck habe er den "bockig-ernüchterten, oft kaustisch verzweifelten und brutal offenen Herrn Meßmer" aus einem früheren Buch wiederbelebt. Dieser, das Alter Ego des Autors, reise umher, gucke sich um, sammle lebenserhellende Eindrücke, die er an den Leser weitergibt. Doch so leicht will Seibt den Herrn Walser nicht davonkommen lassen. Denn auch seine "Antisystematik" habe System, auch die subjektive kleine sprachliche Form stehe für eine Meinung gerade, die gegen irgendetwas in Stellung gebracht wird, und bei Walser sei das nicht weniger als der "Widerspruch gegen eine ganze Tradition abendländischer Metaphysik". Merke: Es gibt "kein Leben jenseits der Meinung".