Rezensent Rainer Moritz liest mit diesem Buch von Sherwood Anderson das "vielleicht unbekannteste Meisterwerk" aus der amerikanischen Literatur des letzten Jahrhunderts, wie er überschwänglich verkündet. Das Original ist von 1919, eine erste gekürzte Übersetzung hatte es bereits 1958 gegeben, die neuere von Eike Schönfeld dürfte nun zu einer größeren Verbreitung des Buches beitragen, hofft Moritz. Ob es sich hierbei um einen Roman oder eine Kurzgeschichtensammlung handelt, lässt sich gar nicht so genau definieren, ist für Moritz aber auch nicht so wichtig. Für ihn ist es in erster Linie ein ziemlich spannender Kniff, die Geschichten um Außenseiter, verschrobene Gestalten, Lehrer unter Pädophilieverdacht und Männer, die keine Frau abbekommen, durch eine Figur miteinander zu verbinden. Diese Figur ist der Journalist George Willard, der die Geschichten des Örtchens Winesburg festhält. Der Kritiker lobt, wie Anderson sowohl das Allgemeingültige von Kleinstadterfahrungen als auch die speziellen Probleme des frühen 20. Jahrhunderts zwischen Krieg und Industrie verhandelt und so ein eindrucksvolles Buch über "existenzielle Einsamkeit" geschrieben hat.