Rezensent Alex Rühle scheut die großen Namen nicht bei der Besprechung dieses Romans des schwedisch-tunesischen Schriftstellers Jonas Hassen Khemiri: T.C Boyle kommt dem Kritiker in den Sinn, wenn es um die Verschachtelung der Handlungsstränge geht, Jonathan Franzen, wenn es um die Gegenwartsfülle geht. Aus der Perspektive von Khemiris fiktionalisiertem Alter Ego Jonas wird die Geschichte der drei Schwestern Ina, Evelyn und Anastasia erzählt, die bei ihrer tunesischen alleinerziehenden Mutter in den Neunzigern in der schwedischen Drakenbergsiedlung aufwachsen. Jonas, selbst Sohn eines Tunesiers, wächst ebenfalls dort auf, fühlt sich schnell zu den Schwestern hingezogen - fortan sind die Lebensgeschichten der vier bis ins Jahr 2035 verflochten. Es ist kaum möglich, alle Themen dieses prallen und laut Rühle "furiosen" Romans wiederzugeben: Auf der privaten Ebene der HeldInnen geht es um Herkunft, Identität und Zuschreibungen, allerdings nie im Sinne von "autofiktionalem Ringelpiez und angestaubter Identitätsgaukelei", wie der Kritiker versichert. Darüber hinaus ist der Roman auch eine "Everything novel" a la Salman Rushdie: Skin-Gewalt, Gangsta-Rap und kurdische Hochzeiten spielen hier ebenso eine Rolle wie die Corona-Pandemie oder eine Edward-Said-Vorlesung, staunt der Rezensent. Ein postmodernes Meisterwerk, das den Rezensenten mit Spannung, allerhand Cliffhangern und zunehmend rasanter durch die Zeit jagt.