Ein Buch über die mögliche kommende Weltordnung aus der Vogelperspektive hat Herfried Münkler geschrieben, so Rezensent Mark Siemons. Münklers Hauptthese ist, erläutert Siemons, dass in Zukunft keine mono- oder bi-, sondern eine multipolare Weltordnung ansteht, wobei der Autor wert darauf legt, dass er lediglich ein Modell entwirft und nicht etwa in die Glaskugel schaut. Fünf Machtzentren - USA, China, Russland, Indien und die EU - wird es in Zukunft geben, glaubt Münkler laut Siemons, und er verankert diese Annahme in politischen Theorien der Vergangenheit. Regel-, aber nicht wertebasiert soll diese Ordnung sein, heißt es weiter, was aber, so Siemons, nicht zynischer Machtpolitik das Wort redet, sondern dabei helfen soll, eine Katastrophe zu verhindern. Sinnvoll findet Siemons Münklers abstrakten Ansatz, wenn es darum geht, die Grenzen von geopolitischen Strategien zum Beispiel der wechselseitigen Abschreckung aufzuzeigen. Allerdings kritisiert der Rezensent, dass Münkler ausschließlich auf westliches Theoriematerial zurückgreift und deshalb die differierenden Machtmotive der einzelnen Blöcke nicht gut in den Blick bekommt. Insgesamt ein wichtiges Buch, resümiert Siemons, dessen Analysen allerdings vom Ausgang des Kriegs in der Ukraine über den Haufen geworfen werden könnten.