Wenig erfreulich gerät die Lektüre dieses Spionageromans Steffen Kopetzkys, schimpft Rezensent Oliver Jungen. Die Figuren findet er misslungen, die Liebesgeschichte zwischen der Hauptfigur, dem Briten Simon Batley, der in den 1920ern die deutsche Raketenwissenschaft ausspioniert und dann während der Nazizeit Hitlers Superbombe sucht und der deutschen Wissenschaftlerin Hedwig von Treyden, überzeugt ihn ebenfalls nicht. Das Setting immerhin ist interessant, meint Jungen: Es geht um das internationale Interesse an deutscher Raketentechnik in den 1930ern. Gut gefällt Jungen zudem, dass Kopetzky einen ungewöhnlichen Fokus wählt, indem er sich auf die Rolle des SS-Manns Hans Kammler konzentriert, der in den letzten Jahren die NS-Waffenproduktion unter Tage anleitete. Dass der Roman allerdings ziemlich spekulative Theorien des Historikers Rainer Karlsch aufgreift, der der Ansicht ist, dass die Deutschen tatsächlich eine kleine Atombombe entwickelt hatten und der auch die Theorie entwickelte, dass Kammler keineswegs Selbstmord beging, sondern zu den Amerikanern flüchtete, stößt Jungen sauer auf. Regelrecht unverantwortlich findet er solche Plotkonstruktionen, eben weil es sich hier nicht um eine figurenzentrierte fiktionale Geschichte handelt, sondern um eher hölzerne Prosa, die sich wie historisches Reenactment liest. Lesevergnügen kommt bei Jungen alles in allem eher wenig auf.