Sehr ausführlich resümiert Rezensent Willi Winkler den neuen Roman von Rachel Kushner, um dann eine klare Leseempfehlung auszusprechen. Es geht, erfahren wir, um die 34-jährige amerikanische Agentin Sadie, die von unbekannten Mächten den Auftrag erhält, die französische, von Zivilisationsflüchtlingen gegründete Landkommune "Le Moulin" zu infiltrieren. Die Moulinarden, angelehnt an das "Unsichtbare Komitee", das im Jahr 2007 in Frankreich Hakenkrallen an TGVs montierte, versucht mit selbstangebautem Obst und Maschinenstürmerei dem Kapitalismus und insbesondere der Agrarindustrie zu trotzen und folgt dabei dem Guy-Debord-Schüler Bruno Lacombe, der sich, in einer Steinzeithöhle lebend, auf die Neandertaler beruft, um seine Gemeinde auf eine Art esoterischen Ökoterrorismus einzuschwören. An jenen nun versucht sie Sadie heranzuspielen, fasst der Kritiker zusammen. Natürlich lässt sich diese "thrillerartige Fabel" auch als "antikapitalistische Kampfschrift" lesen, räumt Winkler ein, aber Kushner führt zugleich die Kläglichkeit des Widerstands vor Augen. Vor allem aber besticht ihn die Bildung und der Humor der Amerikanerin, die sich kühl über die "kulturelle Arroganz" der Europäer amüsiert und auch französischen Größen wie Michel Houellebecq oder Bernard-Henri Levy herrlich komische Auftritte einräumt.