Rezensent Adam Soboczynski möchte gar nicht mehr aufhören, über das Leben der armenischen Unternehmerstochter Verkin zu lesen, der David Wagner hier ein Denkmal setzt. Wobei der Roman laut Soboczynski auf Gesprächen basiert, die der Autor mit einer Frau führte, die das Vorbild für seine Titelheldin ist. Verkin spricht mit dem Erzähler über das Leben ihres Vaters, der den türkischen Völkermord an den Armeniern überlebte und danach in der Türkei Karriere machte, unter anderem, weil er die hohe Kunst des Bestechens ausgezeichnet beherrschte. Sie erzählt aber auch über ihr eigenes glamouröses Leben, das sie unter anderem mit Angela Davis und Faye Dunaway, aber auch mit Robert Gernhardt und Chlodwig Poth, sowie der türkischen Regierungspartei AKP in Berührung brachte. Man darf dieser Frau nicht alles glauben, stellt Soboczynski klar, was wahr ist und was nicht, bleibe in der Schwebe. Wagners Buch erhält dadurch einen für den Autoren bislang uncharakteristischen Schlag ins Fiktive, so der Kritiker, dem das durchaus behagt. Insgesamt legt Wagner hier sein bisher stärkstes Buch vor, lobt Soboczynski, eines, aus dem man einiges lernen könne über politisch kluges Taktieren und auch über Selbstverstellung.