Als genüssliche Lektüre kann Brigitte Neumann John Wrays Roman "Gotteskind" nicht unbedingt empfehlen, aber als erhellende. Wray erzählt von einer jungen Frau, Aden, die in Berkeley in lieblosem Wohlstand aufwächst und sich zur Erleichterung aller zu einer großen Reise verabschiedet. Diese Reise führt Aden allerdings nach Pakistan, wo sie ein Leben als Mann beginnt, um sich den Taliban anschließen zu können. Die Rezensentin verfolgt mit Schrecken, wie die junge Frau ihre Persönlichkeit aufgibt, ihr Denken und Fühlen, um sich ganz der islamistischen Doktrin zu unterwerfen. Neumann ist von dem Roman nicht gänzlich überzeugt, vor allem die Auflistung von Kriegsgräuel erscheint ihr erzählerisch etwas flach. Aber sie entnimmt dem Buch doch die Erkenntnis, dass es nicht nur Wahnsinn und Ideologie sind, die junge Menschen in den Dschihad treiben, sondern auch die Sehnsucht nach Liebe und Leidenschaft.