John Updikes neuer Roman spielt in der Künstlerboheme, erzählt Jürgen Verdofsky in seiner ausführlichen Besprechung. Im Zentrum steht die Malerin Hope Chafetz, Witwe zweier großer Künstler, die nun mit dem Sammler der beiden verheiratet ist. Der Roman dauert so lange wie das Interview dauert, das die Journalistin Kathryn mit der Künstlerin führt. Die beiden Frauen umkreisen und belauern sich, Fragen stellend, erzählend, die eine misstrauisch, die andere umwerbend. Schnell stellt sich heraus, dass die Journalistin nicht nur Chafetz wegen gekommen, sondern an deren Verhältnis zu den Ex-Männern interessiert ist, Figuren, die an Jackson Pollock und Andy Warhol angelehnt sind. Diese und noch mehr Künstlerbiografien öffnet Updike, doch niemals lässt er den Kunstkritiker, der er auch sein kann, über den Autor triumphieren, schreibt der Rezensent anerkennend und lobt, dass wohl niemand so viel literarischen Mehrwert aus der ritualisierten Kulturtechnik des Interviews schlägt. Sein Buch soll eine Art Pendant zu Pollocks "Drip-Painting " sein, doch Updike ist nicht Pollock, bemerkt Verdofsky lapidar, nichts ist getröpfelt oder gespritzt, alles vielmehr ausgemalt, Updike wie eh und je "Meister des Atmosphärischen". Und das, findet Verdofsky, ist auch gut so.