Zu wissen, was wichtig ist, was nicht, hält Hubert Spiegel für das A und O großer, wenngleich karger Erzählkunst. Dass Hans Joachim Schädlich sie beherrscht, kann uns Spiegel versichern, hat er mit diesem Roman doch den Beweis vor Augen. Die Geschichte des nach siebzig Jahren Emigration in seine russische Heimat zurückkehrenden Helden teilt sich für Spiegel in zwei Ebenen: Die Schiffsreise im Jahr 2005 und die Rückschau auf einen exemplarischen, im 19. Jahrhundert wurzelnden Lebenslauf. Dass Schädlich kein historisches Panorama entfaltet, sondern mit aller Zurückhaltung und Distanz von diesem Leben erzählen kann, knapp, konzentriert und prägnant, ohne doch auf die großen Gefühle, auf Trauer, Schmerz, Liebe verzichten zu müssen, imponiert Spiegel sehr.