Tilman Urbachs Eindruck vom jüngsten Roman Siri Hustvedts ist zwiegespalten. Im Mittelpunkt steht der einzelgängerische Analytiker Erik, der beim Ordnen des Nachlasses seines Vaters auf den Brief einer Unbekannten stößt und sich nun zusammen mit seiner Schwester Inga auf eine "schmerzhafte Spurensuche" nach dem Vater begibt. Dazu kommt eine geheimnisvolle, zögerliche Liebesgeschichte, die Erik mit seiner Untermieterin Miranda verbindet, und schließlich dringen die Ereignisse der amerikanischen Gegenwart, der 11. September und die amerikanische Politik in das Romangeschehen. Das geheimnisvolle Moment, das bei der amerikanischen Autorin immer wieder ins Unwirkliche, ja Surreale kippt, ist es, das den Rezensenten nicht nur an diesem Roman stört. Vorsichtig führt er einen Teil der Popularität Hustvedts darauf zurück, dass sie mit dem bekannten Schriftsteller Paul Auster verheiratet ist, der ebenfalls eine Affinität zur Verbindung realistischen Erzählens mit surrealistischen Motiven aufweist. Viel besser aber gefällt dem Rezensenten, wenn die Autorin den seelischen Brüchen und den "kleinen zwischenmenschlichen Begegnungen" ihrer Protagonisten nachspürt, die nach Urbach zu den eigentlichen Glanzstücken dieses Romans gehören.