Rezensent Paul Jandl schätzt sie sehr, die Romane von Norbert Gstrein, die "menschlich-philosophische Widersprüche" anhand von großen Themen wie Krieg verhandeln, dabei brüchige Biografien und biografische Täuschungen zulassen und stets "subtile Pointen" einbauen. Und der neuste Roman verbindet all diese Kniffe aufs Vorbildlichste, findet Jandl. Erzählt wird hier zunächst die Geschichte von Adrian Reiter, der per Axt von seinem Vater für den Ersten Weltkrieg untauglich geschlagen, dennoch zum Kriegsexperten wird, in den 1920er auf all die Kriegsversehrten seiner Alterskohorte trifft - und 1935, inzwischen Lehrer in Salzburg, mit dem jungen Martin Baumgartner einen Adepten findet, der dann bald für die Nazis in den Krieg zieht. In das Leben jenes Baumgartners, dem der zweite Teil des Romans gewidmet ist, schleicht sich Reiter mit "nüchterner Brutalität", bei all dessen Gräuelttaten schaut er gern weg, resümiert Jandl. Gstrein macht aus Reiter, dieser Randfigur, ein "Chamäleon der Zeiten", das durch Wegschauen und Anpassung schuldig wird, während Motive wie Gesichter, Biografien und Täuschungen ein labyrinthisches Spiel erzeugen, lobt Jandl, der besonders die subtile Spannung, die philosophische Tiefe und den raffinierten Schluss um 1988 mit Waldheim-Bezug hervorhebt. Ein Meisterstück, versichert der Rezensent.