Fast hätte der Autor Wolfgang Sandner eingewickelt. Der Assoziations- und Bildungsreichtum dieser Musikgeschichte, die Fähigkeit des Autors Alex Ross, sein Thema mit historischen, kulturpolitischen, philosophisch-psychologischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen zu garnieren, seine erzählerischen Qualitäten, zum Beispiel die, aus alten Fotografien Szenen entstehen zu lassen, seine umfassende musikalische Schulung schließlich - all dies schien Sandner schon unwiderstehlich. Doch dann schlichen sich Zweifel ein. Zweifel an der anekdotischen Verquickung von Sachurteilen und Historisch-Sozialem, Zweifel angesichts von Ross' üppigen Sprachbildern, die allzu oft über die präzise Aussage triumphieren, wie Sandner erklärt. Zweifel schließlich auch, weil beim Rezensenten der Verdacht aufkommt, unter der "Tarnkappe blühend-progressiver Sprache" verberge sich ein "konservativer amerikanischer Geist" (Sandner entdeckt "unterschwellige Vorurteile" gegen deutsche Musik). Dieser Autor hätte einen "kompetenten Gegenleser" verdient, schließt Sandner bedauernd.