Marius Meller ist trotz der gewohnt souveränen Präzision, des Rhythmusgefühls und der Komik, die auch der neue Roman von Feridun Zaimoglu aufweist, ein bisschen enttäuscht. Der Held des Romans verliebt sich, nachdem er bei einem Busunfall fast zu Tode gekommen wäre, Hals über Kopf in eine schöne Helferin und verfolgt sie in seinem "Liebesbrand" quer durch Europa, fasst der Rezensent zusammen. Er mutmaßt, ob Zaimoglu das Buch vielleicht als "Dankgebet" geschrieben haben mag, er hat nämlich selbst nur mit knapper Not einen Busunfall überlebt, oder ob sich der deutschtürkische Autor damit eine kleine Erholung gegönnt hat. Meller findet nämlich, dass dieser Roman eine Spur "konventionell" geraten ist und trotz seiner durchaus überzeugenden Schilderung des Liebesrasens seiner Hauptfigur mitunter ganz schon klischeehaft daherkommt. Und die gnadenlose "Sprachanalytik" seiner frühen Bücher habe der "schönen Stelle", sein "heiterer Anarchismus" "existentieller Romantik" Platz gemacht, so Meller etwas unglücklich, der hofft, dass diese Entwicklung nicht Zaimoglus literarischer Begabung begraben wird.