Vor kurzem erst hätten die beiden Shooting Stars der amerikanischen Literaturszene, Jonathan Franzen und Jeffrey Eugenides, den literarischen Ansatz eines Thomas Pynchon oder Don DeLillo für überholt erklärt, wundert sich Christoph Schröder. Weit gefehlt, denn "Cosmopolis", der jüngste Roman des mittlerweile 66-jährigen DeLillo, der diese Woche auf Deutsch erscheint, straft dieses Statement Lügen, befindet der Rezensent. "Cosmopolis" sei verstörend, brillant geschrieben und superintelligent, schwärmt Schröder, ein "historischer Roman aus dem Cyberspace" von großer diagnostischer Qualität, der beweise, das sich die "radikal-technoide Ästhetik" eines DeLillo noch lange nicht erledigt habe. Charaktere, Psychologie gebe es in dem Roman von gut 200 Seiten kaum, gibt Schröder zu, dagegen ertöne der kühle charakteristische DeLillo-Sound, der sich mit einem "kalten Schnitt" und präzisem analytischem Besteck in das Milieu der Global Players wagt. Formal beschreibt der Roman die Fahrt eines solchen Global Players zum Friseur quer durch die Stadt, die so zu einer Art Stationendrama im Finanzmilieu wird - mit tödlichem Ausgang. Denn, so lautet Schröders Schlussfolgerung, dem permanenten Zahlenrausch und der unentwegten Beschleunigung der Zeit durch Datenströme sei nur noch durch anachronistische Akte Einhalt zu gebieten. Insofern, sinniert der Rezensent, sei dieser Roman womöglich der Abschied von einer Ära, die viele noch als Zukunft betrachteten.