Zum Leben wie zum Erleben zieht die Erzählerin in Sophie Hungers Roman die Musik der Geschichte vor, erklärt Rezensent Ueli Bernays. Während die Geschichte ihre Protagonisten und Rezipientinnen auf direktem, logischem Weg vom festgelegten A zum festgelegten B zwinge, lasse die Musik Freiraum für mäandernde Gedanken etwa, für Zufälle, Um- und Neuwege. Diese Nähe zur Musik, welche die Protagonistin wie vieles andere mit ihrer Autorin teilt, wirkt sich auf ihren Lebensweg aus, hat aber auch für die Erzählweise interessante Konsequenzen, stellt Bernays fest. Hunger gibt sich, wie Bernays es formuliert, dem "Wellengang ihrer Erinnerungen" hin, lässt diesen Erfahrungen und Gedanken anspülen, aus denen sich sukzessive eine zu großen Teilen konsistente Handlung zusammensetzt. Aus diesem Treibgut erwachsen im Laufe des Romans Leitmotive wie zum Beispiel der Gegensatz zwischen Scham und Stolz, lesen wir. Als Symptom dieses Gegensatzes beschreibt die Erzählerin auch einmal ihre "prätentiöse Formulierungssucht", von der leider auch die Autorin nicht ganz befreit ist, so Bernays. Zudem stört den Rezensenten das unbestimmte, farblos bleibende "Du" im Text und dessen Exkurse, die zwar teils des Witzes nicht entbehren, aber den Erzählfluss hemmen. Dennoch ist "Walzer für Niemand" ein gelungenes Debüt voll "subversivem Geist und anarchischem Witz", lobt der Rezensent.